
Am 25.8.2026 ist Werner Breig im Alter von 94 Jahren in Erlangen gestorben. Der gebürtige Zwickauer studierte seit 1950 zunächst ev. Kirchenmusik in Berlin-Spandau, anschließend in Erlangen und Hamburg Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Bibliothekswissenschaft und wurde 1962 bei Hans-Heinrich Eggebrecht in Erlangen mit einer Dissertation über Heinrich Scheidemann promoviert. Er folgte Eggebrecht nach Freiburg, wo er sich 1973 mit Studien zur Entstehung von Wagners Ring des Nibelungen habilitierte. Als Professor für Musikwissenschaft wirkte Breig von 1974 bis 1979 in Karlsruhe, 1979 bis 1988 in Wuppertal und von 1988 bis zu seiner Emeritierung 1997 an der Ruhr-Universität Bochum.
Breigs Forschungsinteressen waren breit gestreut: ältere Tastenmusik, Schütz, Bach, Wagner, Schönberg hießen seine Schwerpunkte. In aller Regel beschränkte er sich nicht auf wissenschaftliche Studien, sondern zielte mit mustergültigen Editionen immer auch auf die Praxis. Diese doppelte Bestimmung prägte in ganz besonderem Maße sein Engagement für Heinrich Schütz, und zwar von Anfang an im Rahmen der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft. Deren Arbeit, deren Veranstaltungen und deren Zielsetzungen hat Werner Breig nachhaltig geprägt. 1976 wurde er in den Beirat gewählt, ihm gehörte er bis 2003 an. Vorausgegangen waren seit 1970 mustergültige Editionen innerhalb der Neuen Schütz-Ausgabe, die durch ihn ein festes wissenschaftliches Fundament erhielt. Auch im Beirat setzte er sich für ein neues, dezidiert wissenschaftliches Profil der Gesellschaft ein: Erfolg war das Schütz-Jahrbuch, „sein Kind“ gewissermaßen, das erstmals 1979 erscheinen konnte. Werner Breig hat es bis 1996 als verantwortlicher Herausgeber betreut, noch bis 2023 war er in beratender Funktion am Jahrbuch beteiligt. Mit zahlreichen grundlegenden Studien hat er das Jahrbuch zu einem wichtigen Publikationsorgan für die Musik von Schütz und seiner Zeit gemacht und sich zugleich als führender Schütz-Forscher seiner Zeit profiliert. Natürlich war er es, der für die 2. Ausgabe der Enzyklopädie Die Musik in Geschichte und Gegenwart den Artikel über Schütz (ebenso wie den über Bach) verfasste.
Werner Breig brillierte nicht nur am Schreibtisch mit seinen an Präzision unübertroffenen Editionen und Texten, er war zugleich ein großartiger Redner, der seinem Publikum in frei gehalten Vorträgen auch komplexe Sachverhalte jederzeit verständlich machte. Die Nähe zur Praxis lebte er selbst, vor allem als ausgezeichneter Pianist, der Ausflüge in die Unterhaltungsmusik nicht scheute, wenn er seinen drei Söhnen an Karneval alte Schlager vorspielte.
In seinem Forscherleben blieb Heinrich Schütz eine Konstante. Schütz und seine Musik als Gegenstand wissenschaftlicher Arbeit und philologisch fundierter Edition, außerdem die Aufgabe der Schütz-Gesellschaft, den Komponisten und sein Werk für die Praxis zu erschließen: Diesen Zielen hat sich Werner Breig stets verpflichtet gefühlt. Solange er konnte, besuchte er die Feste der Gesellschaft, er beriet jüngere Schütz-Forscher bei ihren Arbeiten und war gerne bereit, seinerseits jüngere Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, mit ihnen in Austausch zu treten und von ihren Arbeiten zu profitieren. Aktiv blieb er bis zuletzt: Die von ihm herausgegebene große Ausgabe des Schütz-Werke-Verzeichnisses erschien 2023, in seinem 91. Lebensjahr, und noch 2025 konnten seine Hörer ihn beim Schütz-Fest in Bad Köstritz erleben. Er bleibt uns unvergessen.
Prof. Dr. Walter Werbeck