Aktuelles

42. Internationales Heinrich-Schütz-Fest Kassel
28. Oktober bis 3. November 2010
"Heinrich Schütz und Europa"
im Rahmen der Kasseler Musiktage 2010 "Kreuzungen. Elend und Glanz" (28. Oktober - 14. November 2010)



2010 jährt sich der Geburtstag von Heinrich Schütz zum 425. Mal. Und die Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft feiert ihren 80. Geburtstag. Beide Ereignisse sind Gründe genug für ein besonderes Geburtstagsgeschenk: ein groß angelegtes, internationales Schütz-Fest in Kassel unter dem Motto "Heinrich Schütz und Europa", eingebunden in die Kasseler Musiktage 2010, und dazu, im Anschluss, ein Internationales wissenschaftliches Symposion in Verbindung mit Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V. in den Räumen der in unmittelbarer Nähe gelegenen Ev. Akademie Hofgeismar.

Mit Schütz selbst ebenso wie mit der Schütz-Gesellschaft ist Kassel als Ort eng verbunden. Hier residierte Schütz' erster Dienstherr, Landgraf Moritz der Gelehrte. Er holte den 14jährigen 1599 an seinen Hof und gewährte ihm eine umfassende Ausbildung, die ein Jurastudium in Marburg sowie eine mehrjährige Lehre als Organist und Komponist beim Markusorganisten Giovanni Gabrieli in Venedig einschloss. Die Kasseler Jahre endeten erst 1617, als Schütz auf Druck des sächsischen Kurfürsten nach Dresden wechselte, um dort das Amt eines Hofkapellmeisters anzutreten. Und Kassel ist Sitz der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft.

Das attraktive Programm des Schütz-Festes ist dem Doppeljubiläum angemessen. Es umfasst nicht weniger als neun Konzerte, zwei Vorträge, für aktive Sängerinnen und Sänger unter den Tagungsteilnehmern ein Chorprojekt (die dort erarbeiteten Werke werden während des Gottesdienstes in der Martinskirche am 31.10. aufgeführt), Ausstellungen im Museum für Sepulkralkultur sowie Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, ein Internationales Wissenschaftliches Symposion in der Ev. Akademie Hofgeismar und schließlich, für ortsunkundige Mitglieder, einen historischen Stadtspaziergang.

Die Konzerte decken ein weites Spektrum ab. Es erklingt an wechselnden Orten alte und neue Musik für verschiedenste Besetzungen aus ganz Europa: Musik der Schütz-Zeit wie des späten 17. Jahrhunderts und des frühen 18. Jahrhunderts, aber ebenso aus dem späten 19., dem 20. und sogar dem 21. Jahrhundert. Der Bogen der Komponisten reicht von Moritz dem Gelehrten, Heinrich Schütz, Giovanni Gabrieli und Claudio Monteverdi über nicht minder bekannte Namen wie Louis Couperin, Johann Jacob Froberger und Jean-Marie Leclair bis zu Gustav Mahler, Jan Cikker, Karl Amadeus Hartmann, Rudolf Mauersberger, Lucia Ronchetti und Thomas Daniel Schlee. Von Ronchetti wird ein Werk uraufgeführt, in das die Komponistin Schütz' Musikalische Exequien integriert hat - womit sie eine Tradition fortsetzt, der auch Cikkers Schütz-Adaption Selig sind die Toten von 1964 angehört. Zu den Künstlern und Ensembles des Schütz-Festes gehören Spezialisten für Alte Musik (Manfred Cordes und das Ensemble Weser-Renaissance Bremen, Pieter Dirksen und La Suave Melodia, Konrad Junghänel und das Ensemble Cantus Cölln, Nobert Schuster und die Cappella Sagittariana Dresden), aber auch das Kammerensemble Neue Musik Berlin sowie Ensembles vor Ort: das Staatsorchester Kassel, das das Eröffnungskonzert unter Leitung von GMD Patrik Ringborg und mit dem Bariton Stephan Genz gestalten wird, das Vocalensemble Kassel und verschiedene Kasseler Kantoreien. Als Kontrapunkt wird zum Abschluss des Schützfestes die Kirchenoper für Gesang und Instrumente des zeitgenössischen Komponisten Thomas Daniel Schlee "Ich, Hiob" (Tenor: Markus Schäfer) in der Brüderkirche aufgeführt werden.

Im Rahmen von zwei Hauptvorträgen werden das Motto des Schütz-Festes, Heinrich Schütz und Europa, ebenso wie die Beziehungen zwischen Schütz und Kassel von prominenten Referenten näher vorgestellt. Prof. Dr. Silke Leopold lehrt an der Universität Heidelberg und gehört zu den weltweit besten Kennern der Musik der Barockzeit. Mit Prof. Dr. Werner Breig, zuletzt in der Ruhr-Universität Bochum lehrend, konnte der derzeit führende deutsche Schütz-Forscher gewonnen werden.

Ergänzt wird das Schütz-Fest durch eine Ausstellung im Kasseler Museum für Sepulkralkultur. Unter dem Titel Mit Fried und Freud fahr ich dahin sind hier Exponate zur protestantischen Begräbniskultur der frühen Neuzeit ausgestellt; eines der Konzerte, überwiegend mit instrumentalen Lamentationen bzw. Tombeaus französischer Komponisten, ist diesem Anlass gewidmet. Außerdem gibt es eine Ausstellung von Manuskripten der Schütz-Zeit aus den Beständen der Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel.

Das Internationale wissenschaftliches Symposion vom 1.-2. November in Hofgeismar führt Musikforscher aus den USA sowie aus ganz Europa zusammen. Zwei Tage lang werden sie über die Themen "Schütz und Europa" sowie "Schütz und Kassel" referieren und diskutieren. Beschlossen wird das Symposion mit einem Konzert des Ensembles Cantus Cölln am 2. November in der Martinskirche Kassel.

Im Anschluss an das Schütz-Fest dominiert in den Veranstaltungen der Kasseler Musiktage weiterhin Vokalmusik aus verschiedensten Perspektiven, im Brennpunkt immer das Thema polarer Gegensätze und Krisenbewältigungen, gepaart mit Konfrontationen von "alt" und "neu", Vergangenheit und Zukunft.
Der Rossika-Chor aus St. Petersburg ist mit liturgischen Gesängen aus dem alten und neuen Russland sowie mit Werken von Aleksandr Knaifel und Arvo Pärt in der Martinskirche zu Gast. Ebenfalls in der Martinskirche bietet der Estnische Philharmonische Kammerchor unter Frieder Bernius Kompositionen von Schütz, Johann Sebastian Bach und Arvo Pärt. Salomé Kammer zelebriert in einem Liederabend Werke von Hildegard von Bingen bis John Cage. Zu Gast ist auch das hr-Sinfonieorchester unter Kristjan Järvi mit dem Pianisten Alexander Toradze im Kasseler Opernhaus.
Liederzyklen der zeitgenössischen Komponisten Alexander Muno, Ines Lütge, Ying Wang und Philipp Maintz erklingen, zum Teil in Uraufführungen, in einem Konzert im Kulturbahnhof unter dem Motto "Leidenszeiten - Lebensweiten".
Ein Theaterprojekt nach Joseph Roths "Legende vom heiligen Trinker" (Regie Sylvia Armbruster) wird an drei Abenden im Kasseler tif zu erleben sein.
Im Abschlusskonzert in der Martinskirche führen barocke Opernarien von Monteverdi bis Händel, dargeboten vom italienischen Ensemble La Venexiana, einen hoch gestimmten, versöhnlichen Ausklang unter dem Motto "Licht aus dem Süden" herbei.
Als "roter Faden" durchziehen sieben Lesungen aus Hans Christoffel von Grimmelshausens "Abenteuerlichem Simplicissimus" in den historischen Räumen im Gewölbekeller des Kasseler Karlshospitals das Festival, kommentiert durch Musik zeitgenössischer Komponisten. Der erste deutsche Barock-und Schelmenroman, angesiedelt in den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs, spiegelt das Spannungsfeld zwischen Weltentsagen und Weltzugewandtheit, zwischen "Elend" und "Glanz" wider und rundet das Gesamtbild der Kasseler Musiktage auf der literarischen Seite ab.


Nähere Informationen und Prospekte

Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft e.V.
Heinrich-Schütz-Allee 35
D-34131 Kassel
Telefon 0049 (0) 561 3105 0 - Fax 0049 (0) 561 3105 240
info@schuetzgesellschaft.


Kasseler Musiktage e.V.
Heinrich-Schütz-Allee 35
D-34131 Kassel
Telefon: 0049 (0) 561 3164500 - Fax: 0049 (0) 561 3164501
info@kasseler-musiktage.de
www.kasseler-musiktage.de


Links

Cappella Sagittariana Dresden www.dresdnerphilharmonie.de
Cantus Cölln www.cantuscoelln.com
Ensemble Weser-Renaissance Bremen www.weser-renaissance-bremen.de
Evangelische Akademie Hofgeismar www.lkkw.de/akademie.hofgeismar/tagungen.html
Kammerensemble Neue Musik Berlin www.kammerensemble.de
La Suave Melodia www.lasuavemelodia.com
Lucia Ronchetti www.luciaronchetti.com
Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen www.mitteldeutsche-barockmusik.de
Museum für Sepulkralkultur www.sepulkralmuseum.de
Pieter Dirksen www.pieterdirksen.nl
Staatsorchester Kassel www.staststheater-kassel.de
Stadt Kassel www.kassel.de
Universitätsbibliothek Kassel www.ub-kassel.de
Vocalensemble Kassel www.ekkw.de/nmk.html
Estnischer Philharmonischer Kammerchor www.epcc.ee/
Salomé Kammer www.salomekammer.de/
Hr-Sinfonieorchester www.hr-sinfonieorchester.de
La Venexiana www.lavenexiana.net/

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